Blog – post N°1 Warum das alles?

 

#glueckskind #urban-pop #Anna-Marlene

 

In einer Woche scheint es tatsächlich soweit zu sein: meine erste CD wird veröffentlicht. Eigentlich ist es ja nicht die ERSTE CD – in einigen CDs habe ich bereits als Songschreiberin, Arrangeurin und natürlich als Sängerin mitgewirkt. Aber eben die „eigene“ Note – nach so langer Zeit als brav arbeitende Musikerin ist es fast überfällig, eine „eigene“ CD mit „eigenen“ Songs zu machen. Denn Musik als Hauptberuf kann oft bedeuten: jeden Tag (auch am Wochenende und in den Ferien) hart arbeiten, Geld verdienen zu müssen, um davon leben können und dein „eigenes“ erstmal aufzuschieben – und genau diesen Strudel breche ich jetzt endlich.

Schon während meines Musikstudiums am Jazzinstitut Berlin begann ich viel in Gig-Bands zu spielen, sowohl als Background-Sängerin, als auch als Hauptsängerin. Das bedeutet, singen auf jeder Hochzeit, auf jeder Firmenfeier, im Wald, in der Kirche, auf jeder Biergarten-Eröffnung in Klein-Kleckersorf und auf Feuerwehrfesten vor Männern, die im Gröhl-Gesang besoffen aus dem Publikum „Kannste auch „Atemlos“? – in meine Richtung riefen. In diese Bands bin ich unbefangen und fröhlich entschlossen mit der Absicht eingestiegen, als professionelle Musikerin mein Arbeitsleben zu beginnen – unabhängig von meinen Eltern, dem Staat, mit der Freude auf Reisen, aufs Musikmachen, egal was und wie und vor allem, auf dieses Gefühl, Musik als BERUF zu sehen, davon leben zu können. Dafür musste man schon einiges an Opfern bringen: z.B. mein Traum vom großen Star vor einem Riesenpublikum, das nur MEINETWEGEN da ist (denn in Klein-Kleckersdorf waren die meisten eher des Freibiers wegen da), meine Zeit für Kunst, Kreativität (was per se ja die Basis eines Musikers ist/sein sollte), meine Zeit für mein Studium, für Familie, für Urlaube, mein Stolz – wie oft war ich auf Veranstaltungen, wo ich mich sekündlich fragte: „Warum haste nix richtiges gelernt?“ oder „was soll ich hier eigentlich?“. Wir als Band mussten aufbauen vor dem Konzert, Spielen zwischen 2 und 7 Stunden, abbauen nach dem Konzert, manchmal nur 3 Stunden schlafen und weiterfahren zum nächsten Gig, dort wieder dieselbe Prozedur… Das ging im Sommer oft Tage, Wochen hintereinander so. Oft war es natürlich auch entspannt, gute Hotels, wunderschöne Locations, tolles Publikum, das mir, trotz 90% Coversongs, jedes Wort abnahm und Offenherzigkeit versprühte. Vor allem der leckere Fisch an der Ostsee – jedesmal, wenn dieser Räucherfisch-Geruch in der Luft schwebt, denke ich an die vielen Sommer des Musikmachens an der Ost- und Nordsee in Strandcafés oder Seebrückenfesten.

In meiner jahrelangen Zeit als Background-Sängerin bei Ute Freudenberg (die übrigens auch noch nicht beendet ist – das macht ein Heidenspaß dort!), konnte ich ein bisschen große Bühnen- und Fernsehluft schnuppern, zwar nur in der zweiten Reihe, aber es macht schon etwas mit einem, in die Gesichter der Menschen zu schauen, die weinend Ute anhimmeln und in den ersten 10 Reihen emotional ihre großen Songs wie „Jugendliebe“ im Chor mitsingen. Eine außergewöhnliche, tolle Erfahrung mit lieben Menschen und Kollegen um mich herum.

Und nun? Es wird endlich so was von Zeit, nach diesen vielen Jahren als hauptberufliche Musikerin, die, und das kann ich zu hundert Prozent von mir behaupten (auch, wenn viele vielleicht denken: „Die fängt doch grad erst an“), so viele schöne, schlechte, anstrengende und aufregende Situationen auf und hinter der Bühne miterlebt hat. Die „eigene“ Musik – selfmade durch und durch und vollkommen authentisch mein eigener shit – offenzulegen, hat für mich und vielleicht auch für euch nunmehr eine besondere Bedeutung. Nach vielen Kommentaren à la „Mach mal lieber was eigenes“ oder „Du machst zu viele Muggen – mach mal lieber Kunst“, genauso wie nach vielen Vorwürfen an mich selbst und Rechtfertigungen vor anderen, dass ich nicht versuche, selbst „groß raus zu kommen“ und mich nicht endlich mal bei einer erfolgsversprechenden Fernsehshow zu bewerben (die mich „sicherlich zum Superstar hätte werden lassen“), kommt jetzt endlich diese CD „Glückskind“ heraus. Zentrum der Liebesthematik in meinen Texten ist – natürlich – ein Mann, ohne diese Inspiration wäre es natürlich auch nicht zu einer entsprechenden Auseinandersetzung in Form einer CD gekommen. Aber dazu in einem anderen Blog 😉

Gleich unter dem eigenen Label etwas zu veröffentlichen, war ich mir und meiner schon so lang aufwendig vorbereiteten Integrität als Musikschaffende schuldig. Die Option, ein künstliches, von einem Major-Plattenlabel hochgepushtes „Produkt“ zu werden, das allenfalls Mitspracherecht an einem Stück Kuchen im Catering hat, besteht für mich irgendwie grad nicht… Geld in ein Produkt hineinzubuttern, das gar nicht aus der Feder des medial hochgekochten „Stars“ stammt, sondern einem Produzententeam, das „genau weiss, was die Leute brauchen“, scheint immer wieder in diesem Land angesagt zu sein. Verurteilen möchte ich das natürlich ganz und gar nicht, dennoch bin ich neugierig und frage mich: Kann man diesem Konzept vielleicht ausweichen und etwas anders, etwas wirklich „eigenes“ machen? Schafft man diesen Erfolg überhaupt noch, ohne von diesem „eigenen“ Weg abzukommen? Keine Ahnung – ich probier`s mal. Glückskindmäßig eben. Meine Musik wird vielleicht eine Weile brauchen, bis sie mehr und mehr zu den Menschen vordringt, bis sie vielleicht so viele von euch begeistert, dass ich ganze Deutschlandtourneen mit meiner Band machen kann. Jaja, es geht nun mal nicht alles zwischen „Tür und Angel“ – geflügelter Spruch von meinen Eltern bereits, die mir jahrelang damit sagen wollten, dass zum Erfolg auch Niederlagen gehören und es gegebenenfalls länger dauert, bis man sein Ziel erreicht. So! Nun ist mir erst einmal mein erstes Zwischenziel geglückt – meine EP „Glückskind“ mit meinen Songs/Produktionen/Texten herauszubringen. Hier vorzubestellen und/oder ab 1.Juni 2015 überall auf itunes/Amazon/Googleplay/ etc zu kaufen.

Bis dahin, Bleibt positiv – eure Anna-Marlene

About the author: Anna B.